Der Tag, an dem es Scheiße vom Himmel regnete – Teil 1

Es hatte in der Nacht ein wenig geregnet, zum Zeltabbau aber zum Glück aufgehört und wir fuhren gemütlich los. Die Koffer gefixt vom Vortag und über Kosh-Dobo in Richtung Kazarman und Dschalalabad. Doch so weit sollte es nicht kommen. Es fing vor Kosh-Dobo an zu regnen und nicht nur so ein bisschen, sondern so richtig. Da es die Tage vorher auch schon an der Stelle regnete, ging es in ein feuchtes Schlammvergnügen über. Die Bikes waren sehr schwer, am Pass oben waren noch Schneeberge am Rande der Straße und wir mussten „nur“ noch über diesen Hügel. Über ein tiefes Schlammloch, an dem LKWs vorher anhielten, um ihre Schneeketten zu montieren, wie ich später feststellen durfte. Diese Passage brach mir das Genick und meine Kupplung war komplett tot, sodass kein weiterer Antrieb mehr möglich war. Also 0 Meter, auch auf Asphalt. Da stand nun die Alp:

Die Alp steckt im Schlamm am Pass vor Kosh-Dobo – nix ging mehr

Die Schlammpassage konnte nicht überquert werden, da die Kupplung das Zeitliche segnete.Das Hinterrad komplett mit Schlamm zugesetzt

Das Rad war so mit Schlamm zugesetzt, dass es selbst mit dem Schraubenzieher nicht einfach war, den ganzen Dreck freizubekommen.

Das rote Zelt als Notunterkunft direkt am Straßenrand

Wir haben uns kurz entschlossen, das Zelt direkt am Straßenrand als Notunterkunft aufzubauen, für den Fall, dass doch noch einer an dem Tag den Pass überquert, um mir helfen zu können. In der Zwischenzeit hatte sich der Sauerländer auf den Weg nach Kazarman gemacht, um dort nach Hilfe zu suchen. Am späten Abend wurde ich dann von John und seinem Bruder abgeschleppt. Die beiden waren zwar angetrunken, haben mir jedoch sehr, sehr geholfen. Wir benötigten für 60/70 KM ca. 6 bis 7 Stunden und kamen nach 2 Uhr völligst erschöpft in Kazarman an. Das Motorrad hatte ich bei einem Familienmitglied im Hinterhof parken dürfen. Dort waren ein kleiner Hund und Hühner im Freilauf auf dem eingezäunten Gelände unterwegs. In der Nacht hatte Johns Frau sogar noch Essen vorbereitet, sodass die beiden „gestärkt“ oder „nüchtern“ ins Bett gehen konnten. Ich glaube, das konnte sich der Kirgise dann selbst aussuchen. Ich durfte in einem Zimmer auf einer Art Wolldecke schlafen, keine Ahnung, lassen wir es mal die kirgisische Isomatte nennen. Am nächsten Morgen um 6 Uhr stand dann lächelnd und schüchtern ein kleines Mädel vor mir und holte ihre Schulsachen. Freundlich hatte ich zurückgelächelt, als sie dann schüchtern aus dem Zimmer rannte. Sie ging wohl davon aus, dass ich schlafen würde. Ein neuer Tag, ein neues Glück?

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